Denkwürdige-Ereignisse


Erinnerungen von Winni Scheibe an seine Begegnung
1976 mit Suzuki-Importeur Fritz Röth

Die Marke mit dem scharfen

Text: Winni Scheibe
Fotos: Archiv Fritz Röth, Winni Scheibe,Archiv-Scheibe



Suzuki-Importeur Fritz Röth
(Foto: Archiv-Röth)


Wer sein Hobby und seine Leidenschaft zum Beruf macht, kann von Glück reden. Bei mir waren es Motorräder und alles was dazu gehört. Dabei waren  in den 1960er Jahren die beruflichen Erfolgsaussichten in diesem Metier alles andere als rosig. Noch in den 1950er Jahren war ja  Westdeutschland noch weltgrößter Motorradhersteller. Das Wirtschaftswunder bescherte der Bevölkerung dann Wohlstand und das Automobil. Von den lärmenden und stinkenden KnatterbÜchsen wollte keiner mehr etwas wissen. Ende der 1960er Jahre ließen sich grade noch 4000 Neumaschinen bei uns an den Mann bringen, das Motorradgeschäft war so gut wie ausgestorben.

Dann zeichnete sich plötzlich eine Trendwende ab. Junge Kerle hatten das Motorrad fahren als neues Hobby entdeckt. Taufrische, quicklebendige und pfeilschnelle Maschinen kamen neuerdings von vier großen Marken aus Japan. Bereits 1961 hatte Honda in Hamburg eine Werksniederlassung eröffnet. Ab 1964 kümmerte sich das Handelsunternehmen Mitsui in Düsseldorf um den Import von Yamahas. Damals Deutschlands größter Motorradhändler Detlev Louis in Hamburg war ab 1968 für den Import von Kawasakis zuständig. Nur Suzuki kam noch nicht so richtig in die Pötte. Erst ab 1971 war Fritz Röth in Hammelbach/Odenwald für den Generalimport von Suzukis verantwortlich.


Frher war nicht alles besser, 
aber vieles noch ganz etwas anders.


Technischer Leiter beim Suzuki-Importeur 
50 Kubik Weltmeister von 1962 Ernst Degner
(Foto: Archiv-Röth)


Von 1974 bis 1976 absolvierte ich meine Ausbildung zum Maschinenbautechniker. Noch bevor ich fertig war, hatte ich zahlreiche Bewerbungen losgescchickt. Bei einem Besuch bei meinem Rennfahrerfreund Peter Hartenstein, er war Honda- und Yamaha-Vertragshändler in Wixhausen/Darmstadt, diskutierten wir über Berufsmöglichkeiten in der Motorradbranche. Damals gab mir Peter den Rat, dass der neue Suzuki-Importeur eine gut Adresse wäre. Bei Fritz Röth könnte ich viel lernen und mich gut profilieren.
Wenig später kam von Suzuki eine  Vorstellungseinladung. Für mich war es damals selbstverständlich, dass ich akkurat zu diesen Termin fahre. Also borgte ich mir von meinem Freund Henry seine brandneue BMW R90S, zog meine schwarze Harro-Lederkombi und den Cromwell-Halbschalenhelm an und düste im Sommer 1976 nach Heppenheim an der Bergstraße.
Fritz Röth begrüßte mich persönlich, schaute mich dabei von oben bis unten an und sagte sinngemäß; "Sie sind Motorradfahrer, genau solche Leute brauchen wir. Fürs Vorstellungsgespräch wenden sie sich aber bitte an unseren Technischen Leiter Herrn Degner, Viel Glück und auf Wiedersehn". 
Und dann prallten zwei Welten aufeinander. Hinterm mächtigen Schreibtisch saß pikfein Gekleidet im Anzug mit Weste und Krawatte Ernst Degner, davor hockte ich in der Lederkombi und dem Helm auf dem Knie. Erst fragte mich Ernst Degner nach meinen persönlichen Verhältnissen, dann wurde es jedoch Fachlich. Ich erzählte von meinen Motorraderfahrungen, von meiner Rennfahrerei, meinem großen Wunsch in der Motorradbranche zu arbeiten und dass es für mich eine große Ehre währe mich bei ihm, dem ersten 50 Kubik Suzuki Weltmeister von 1962,  vorstellen zu dürfen. Das Vorstellungsgespräch und Benzin-Gespräch dauerte rund eine halbe Stunde, mit einem guten Gefühl im Bauch bretterte ich mit der BMW zurück. Paar Tage später kam ein Brief von Suzuki, zum ersten September 1976 könnte ich anfangen.

 


Autor Winni Scheibe im Herbst 1976 mit der 
ersten Viertakt-Suzuki GS750 auf Testfahrt


Bis Ende 1978 war ich als Techniker bei Suzuki, dann folgte die nächste Herausforderung. Mein Freund Franz Josef "FJS" Schermer holte mich in die neu gegründete Redaktion vom Motorradmagazin MO. Hier lernte ich das Zeitungsmachen und Fotografieren.  Als Journalist traf ich Fritz Röth dann  immer wieder und im Sommer 2010 für ein langes Interview.



"Das Urgestein“

Ein halbes Jahrhundert ist Fritz Röth im Motorradgeschäft aktiv.
Der Südhesse war einer der ersten Honda-Händler in Deutschland.
Kein anderer hat wie er später so viele Motorradmarken importiert,
darunter die großen Namen Moto Guzzi, Ducati und Suzuki.



Urgestein in der Motorradbranche:
Fritz Röth


Für den Wirtschaftsfaktor ist der Standort immens wichtig. Stimmt die Lage, kann das Geschäft zur Goldgrube werden. Besonders dann, wenn die Kundschaft kurze Wege hat und einem die Bude einrennt. Hammelbach klingt so, als läge es am Ende der Welt. Um etwas zu besorgen, fährt kaum ein Mensch extra in den Odenwald. Normalerweise! Für Motorradfahrer allerdings war der Ort im idyllisch gelegenen südhessischen Mittelgebirge lange das Zentrum ihres Zweiradkosmos, allen vorweg die Italo-Fraktion. Das angepeilte Ziel in Hammelbach war der Zweiradbetrieb von Fritz Röth.



Moto Guzzi Importeur und Gespannfahrer Fritz Röth (hinter dem Lenke) mit Beifahrer Roland Brecht
(Foto: Archiv Fritz Röth)


Moto Guzzi Fan Fritz Röth


So lange ich denken kann, haben Motorräder aus Italien eine große Faszination auf mich ausgeübt. Sie waren einfach anders als die Maschinen von NSU, Horex, BMW oder aus England, und aus den USA sowieso. Fast alle großen italienischen Marken von Aermacchi über Benelli, Bimota, Ducati, Moto Morini bis zur Azzurri-Legende Moto Guzzi haben wir importiert und über unser deutschlandweites Händler-Netz vertrieben. Daneben waren wir immer direkter Ansprechpartner für unsere Motorradkunden vor Ort. Manche kamen nur auf einen Plausch vorbei, andere um sich Ersatzteile zu besorgen oder eine Fahrzeuginspektion durchführen zu lassen oder ihre neue Maschine bei uns persönlich in Empfang zu nehmen. Der Standort war nie ein Nachteil für uns. Ganz im Gegenteil. Viele unserer Kunden genossen die Fahrt in den Odenwald, verbanden den Besuch bei uns mit einer Motorradtour", erinnert sich Fritz Röth.


Wenn`s passt, kümmert sich der Chef persönlich um die Besucher


Kleines aber feines Motorrad-Museum von Fritz Röth


Noch heute kommen ehemalige Motorrad-Kunden vorbei, um einfach mal Hallo zu sagen oder um sich das Museum anzusehen. In der kleinen aber feinen privaten Oldtimer-Sammlung fühlt man sich gleich in die Zeit von Gestern und Vorgestern zurück versetzt. Wenn es passt, kümmert sich der Chef persönlich um die Besucher. Zu jeder Maschine kann der bewanderte Motorradexperte etwas erzählen, macht aber vorsorglich gleich eine Einschränkung: "Sollte ich spontan aufzählen, von wann bis wann wir diese oder jene von den gut 40 Marken importiert oder vertrieben haben, muss ich mich jedoch entschuldigen. Bilanzen, Kalkulationen und Bürokratie haben meine Mitarbeiter erledigt, mein Interesse galt vorrangig der Technik. Denke ich zurück, fallen mir allerdings viele Episoden ein. Manche haben sich im Gedächtnis so festgebrannt, als hätte ich sie gestern erlebt."
Fritz Röth muss dabei lachen und schießt los: "Seit 1971 waren wir Suzuki-Generalimporteur für Deutschland, die Arbeit begann für uns bei der Stunde Null. Von Hammelbach aus wurde das Vertriebsnetz aufgebaut, wir verbuchten sensationelle Zuwachsraten. Händler und Kunden waren vollauf zufrieden, und Suzuki in Japan auch. So dachte ich damals jedenfalls. Auf dem Motorradmarkt war Mitte der 1970er Jahre richtig was los. Honda hatte eine Werksniederlassung in Offenbach und Kawasaki in Frankfurt, für Yamaha war Mitsui in Düsseldorf zuständig. Anfang 1976 überraschten mich die Japaner mit der Forderung den Standort umgehend in die Nähe des internationalen Flughafens von Düsseldorf oder Frankfurt zu verlegen. Hammelbach wäre nach Auffassung der Geschäftsleitung zu sehr abgelegen. Eine Weltfirma wie Suzuki gehört in eine Metropole. Zunächst wollte ich alles hinschmeißen, dann kam mir aber eine geniale Idee. Beim nächsten Besuch sollte eine Entscheidung fallen. Die Delegation bestand aus den hochrangigen Managern Hidaka-san, Masuda-san und Ikegami-san (san = japanisch Herr, anm. Red.). Zum Mittagstisch sind wir nach Heppenheim gefahren, anschließend habe ich nichts verraten, nur meine Geschäftspartner gebeten sich die Uhrzeit zu merken. Dann habe ich sie mit meinem BMW 528 mit Vollgas über die Autobahn zum Rhein/Main Airport Frankfurt chauffiert. Innerlich musste ich lachen, der Angstschweiß stand ihnen sichtlich auf der Stirn geschrieben, andererseits konnten sie ihre Begeisterung kaum verbergen. Noch nie in ihrem Leben waren sie so schnell gefahren. Nach knapp 30 Minuten hatten wir den Flughafen erreicht. Die Rückfahrt verlief ebenfalls rekordverdächtig, danach wurde mein Vorschlag den Firmensitz nach Heppenheim zu verlegen sofort akzeptiert."



Ernst Degner, Dieter Braun, Jitsujiro Suzuki, Fritz Röth
(Foto: Archiv Fritz Röth)


Mit dem Umzug an die Bergstraße gründete Fritz Röth Mitte 1976 die "Suzuki Motor Deutschland GmbH". Eine weitere Forderung der Japaner war die Verpflichtung des Aral-Renndienstleiters Ernst Degner als Technischen Leiter. Ex-DDR-Bürger Degner, der als MZ-Werksfahrer und 125er Vizeweltmeister 1961 in den Westen geflüchtet war, hatte damals in der japanischen Suzuki Versuchs- und Rennabteilung Unterschlupf gefunden, wurde Werkspilot und 1962 erster 50-ccm-Weltmeister! Solche Heldentaten werden im Inselreich nicht vergessen. Mit Ernst Degner wollten die Japaner den Posten mit einem kompetenten und ihnen gut bekannten Fachmann besetzen. Rund weitere 25 alte und neue Mitarbeiter kümmerten sich um Vertrieb und Service des aus agilen Zweitakt-Maschinen von 50 bis 750 ccm mit Ein-, Zwei- und Dreizylinder-Motoren bestehenden Modellangebotes.


Suzuki Zweitakter Mitte der 1970er Jahre

 


Suzuki RV90


Suzuki GT380



Suzuki GT550



Suzuki GT750


Das Gastspiel in der "Weltmetropole" Heppenheim sollte für Fritz Röth jedoch nicht lange dauern. Schon Ende 1976 stieg der rührige Motorradmann aus dem Geschäft aus, zu sehr lagen die Zukunftsvorstellungen auseinander. In Japan war man nämlich der Meinung, mit einem neuen Partner mehr Motorräder in Deutschland verkaufen zu können. In der deutschen "Suzuki Motor Handels GmbH", die zu 50 Prozent von Otto de Crignis, dessen Familie ein großes Autohaus in München besaß, und zur anderen Hälfte vom niederländischen Suzuki-Importeur Louwman gehalten wurde, wehte ab 1977 ein frischer Wind. Rückwirkend darf aber von der Devise "Quantität statt Qualität" gesprochen werden. Bei über 60 Modellen verloren nicht nur die Händler, sondern auch die Macher in der Zentrale, die inzwischen in München residierte, den Überblick. Doch das ist eine andere Geschichte.


Zurück zu den Wurzeln

 


Erste Reihe dritter von links Fritz Röth beim NSU Motorrad-Lehrgang in den 1960er Jahren
(Foto: Archiv Fritz Röth)


Die Trennung vom japanischen Hersteller bedeutete für Fritz Röth keineswegs den Weltuntergang. Sein Betrieb im ländlichen Hammelbach hatte sich parallel zu den Suzuki-Aufgaben weiterhin um Motorräder aus Italien, dabei hauptsächlich um den Ducati-Import, gekümmert. Heimatverbundenheit und Bodenständigkeit kommen bei ihm nicht von ungefähr. Der Familienbetrieb war bereits 1873 als Gemischtwarenladen gegründet worden. Fritz Röth, Jahrgang 1939, wuchs inmitten von Lebensmitteln, Kurzwaren, Nähmaschinen, Gartengeräten, Fahrrädern sowie einer Tankstelle mit Kfz-Werkstatt auf. Repariert wurde damals alles, was die Leute brachten. Als Vertragshändler waren die Röths für die Maschinen von NSU zuständig. Los war eigentlich immer etwas.
Gerne erinnert sich Fritz Röth an seine Kindheit: "Mein größtes Interesse galt den Motorrädern. An meine erste Testfahrt über die Wiese von unserem Nachbarn kann ich mich noch genau erinnern. Es war eine 98er Anker mit Fichtel&Sachs Zweitaktmotor und ich war gerade 11 Jahre alt. Danach stand für mich fest, wenn ich groß bin, werde ich Motorradrennfahrer."




Fritz Röth gehört zu einen der ersten Honda-Händlern in Deutschland
(Fotos: Archiv Fritz Röth)


In den 1950er Jahren war West-Deutschland weltgrößter Motorradhersteller. In dieser Blütezeit waren über 2,2 Millionen Maschinen zugelassen. Dieser Bestand rutschte bis Mitte der 1960er Jahre allerdings auf 415.000 Motorräder ab. Das Wirtschaftswunder veränderte den Motorradmarkt radikal. Wie es um die Branche stand, brachte der eben noch agierende Motorradmarktführer NSU in Neckarsulm 1966 unverhohlen zum Ausdruck:
"
...NSU wird nie wieder Motorräder bauen, die Zukunft gehört dem Auto..." .
Wer etwas auf sich hielt, trug Hut, fuhr Automobil, hatte ein Dach über dem Kopf, die Klamotten blieben sauber. Die anderen auf ihren stinkenden Mühlen wurden mitleidig belächelt oder als "arme Schweine" bezeichnet.
Fritz Röth hatte inzwischen seine Ausbildung im elterlichen Betrieb absolviert, mit der Rennerei hatte es auch geklappt. Zunächst mit einer 125er NSU, später auf der 250er NSU Max beteiligte er sich erfolgreich bei Geländewettbewerben. Gewann die hessische Geländemeisterschaft, holte Gold bei Zweitagesfahrten. Der Traum einer Karriere als Werksfahrer erfüllte sich dagegen nicht, Geländerennen blieben das Hobby. In der Woche galt es den Motorradbetrieb in Schwung zu halten, nur vom Rennfahren ließ sich nicht leben.



Mit der NSU 250 Max bei Geländewettbewerben
(Foto: Archiv Fritz Röth)


Entgegen aller Prognosen setzte Fritz Röth auf die Zweiradzukunft. Im Frühjahr 1960 brachte der Hamburger Motorradhändler Karl Heinz Meller auf private Initiative die ersten Honda Motorräder nach Deutschland. Wenig später standen die japanischen Maschinen auch in Hammelbach und Fritz Röth lässt wissen: "Im Vergleich mit bekannten deutschen Fabrikaten muteten die Hondas ziemlich exotisch an. Nur wenige Motorradfahrer auf der Straße trauten den hochtourigen Zweizylinder-Viertaktmaschinen etwas zu. Es konnte ja soviel kaputt gehen. Wie und wer sollte dann das Motorrad reparieren und von woher sollte man die Ersatzteile bekommen? Skepsis und Misstrauen waren groß, wir mussten echte Überzeugungsarbeit leisten. Um so größer war dann die Überraschung, als sich herausstellte und auch schnell herum sprach, dass die Motoren wie Schweizer Uhrwerke perfekt funktionieren und fast nicht kaputt zu bekommen waren. Ein neues Motorradzeitalter war angebrochen. Der Rest ist, wie wir heute wissen, Geschichte."



Honda-Händler Fritz Röth und Peter Strauss um 1967
(Foto: Archiv Fritz Röth)


Wer in den 1960er Jahren als Motorradhändler über die Runden kommen wollte, musste Einfallsreichtum beweisen. Bei Fritz Röth waren es sportliche Flitzer aus Italien. In Eigenregie holte er via Transporter Maschinen von Ducati, Moto Morini, Aermacchi und Benelli in den Odenwald. Sorgte für die TüV-Abnahme, stellte den Service und die Ersatzteilversorgung sicher. Ab 1964 war der Odenwälder offizieller Moto Guzzi-Importeur für Deutschland. "Das hörte sich zunächst toll an, in der Praxis mussten wir stramme Leistung beweisen, der Anspruch war hoch. Es galt ein Händlernetz aufzubauen, bei uns im Haus wurde ein Teilelager eingerichtet. Service, Garantieabwicklung, Buchhaltung, alles musste organisiert werden. Und trotzdem kam es immer wieder mal vor, dass etwas nicht klappte. Am Schlimmsten war es, wenn dringend benötigte Ersatzteile nicht geliefert wurden. Dann habe ich mich kurz entschlossen in unseren Transporter gesetzt und bin zu Moto Guzzi nach Mandello am Comer See gefahren. Da kannte man mich schon. Alles, was wir brauchten, wurde direkt vom Montageband eingeladen und ab ging die Post zurück nach Hause. Das war allerdings nur die eine Seite. Immer wieder fanden wir an den Motorrädern technische Ausführungen, die sich verbessern ließen. Diese Vorschläge haben wir dem Werk mitgeteilt und fast immer wurde es in der Serienproduktion berücksichtigt", verrät der sympathische Motorradexperte mit einem verschmitzten Schmunzeln, fügt aber gleich hinzu, "es war zwar eine gewaltige Herausforderung, aber Spaß hat es gemacht."



Vorstellung der neuen Suzuki GT750 1972
Ehrengast Gunter Sachs, links im Bild, Fritz Röth, rechts
(Foto: Archiv Fritz Röth)


Mit japanischen Motorrädern waren bereits gute Erfahrungen gemacht worden. Was in dieser Richtung weiter passierte, behielt Fritz Röth wachsam im Auge. Im Herbst 1966 las er in Das MOTORRAD einen Testbericht über die Suzuki T20. Ernst "Klacks" Leverkus schrieb "... Die schnellste 250 ccm-Serienmaschine, die ich bis heute auf dem Nürburgring gefahren habe... ". Um den Import kümmerte sich damals mehr schlecht als recht Capri Agrati in Köln.
Drei Jahre später war es soweit. Gemeinsam mit Frankonia-Inhaber Jean Wildberger reiste Fritz Röth nach Hamamatsu ins Suzuki-Stammwerk. Wildberger war Schweizer Suzuki-Importeur, den der Hesse als Geschäftsmann sowie menschlich sehr schätzte. Die Reise sollte sich lohnen. Nachdem alle vertraglichen Vereinbarungen unter Dach und Fach waren, durfte sich Ende 1971 die Firma Zweirad Röth in Hammelbach als offizieller Suzuki Generalimporteur für Deutschland bezeichnen.
Die Zusammenarbeit mit Moto Guzzi endete 1973. Fritz Röth konnte sich nun mit allem Elan auf Suzuki konzentrieren, was bis Ende 1976, siehe oben, hervorragend funktionierte.



Rennsport wurde bei Fritz Röth immer groß geschrieben



Am Lenker und mitten im Leben:
Fritz Röth beim Interview im Frühjahr 2010 in Hammelbach


Auf 50 Jahre Motorradgeschäft kann Fritz Röth zurückblicken. Gerne gibt sich der Importeur-Multi so, als könne er sich nicht mehr an jede einzelne Marke, mit der er es in dieser Zeit zu tun hatte, erinnern. Es waren genau 42 Hersteller! Löchert man ihn entsprechend, kommen ihm alle möglichen Geschichten, Erlebnisse und Ereignisse in den Sinn. Man bräuchte nur mitschreiben und könnte ein Buch daraus machen. Bleibt die berechtigte Frage, welche Marke war ihm am liebsten?
"Da brauche ich nicht lange zu überlegen. Vom Spaß, dem Herzblut und den Emotionen nach war es Moto Guzzi. Die italienische Mentalität und die Begeisterung für den Motorradbau war mit nichts vergleichbar, bei allen Unzulänglichkeiten versteht sich. Das trifft allerdings auch auf die anderen italienischen Marken zu. Zum einen war es die Zusammenarbeit mit den Herstellern südlich der Alpen, zum anderen aber auch die Kundschaft selbst. Wer damals eine italienische Maschine fuhr, kannte sich mit der Technik aus, wusste wie Ventile, Vergaser und Zündung eingestellt werden. Bei einer Panne konnte man sich meist selbst weiter helfen. Das Interesse am Motorrad und am Straßenrennsport war enorm. Die damaligen Motorradfahrer wussten genau, wer und wann den letzten WM-Lauf gewonnen hatte. Mit ihnen ließen sich noch echte Benzingespräche führen. Für uns stand der Motorsport immer im Mittelpunkt. Wir haben Rennfahrer wie Dieter Braun unterstützt und zig Marken-Cups organisiert. In Hinsicht auf die Professionalität und die ausgefeilte Fahrzeugtechnik war es Suzuki. Die Geschäftsbeziehung zu den Japanern würde man heute neudeutsch mit Big Business beschreiben: Zahlen, Fakten, Umsätze. Zu der Kundschaft haben wir mit unserem Slogan, `Wir, die Suzuki-Familie´ eine ganz persönliche Kommunikation aufgebaut. Das hat ein enormes Zusammenhaltgefühl geschaffen", betont Fritz Röth, lehnt sich zurück und schaut in die mobile Zukunft. Und die wird anders werden, als wir sie uns vorstellen, der Elektroantrieb wird sich durchsetzen, ist er überzeugt.


Kontakt:
Zweirad Röth/Museum
Schulstraße 20
64689 Hammelbach
Tel.: 06253-94120
(Museumsbesuche nach Absprache)

 


 Alle von Fritz Röth importierten und vertriebenen
 nach Alphabet geordneten Motorradmarken

 Access, Taiwan
 Adly, Taiwan
 Aermacchi, Italien
 Bajaj, Indien
 Benelli, Italien
 Bimota, Italien
 Biria / Sachs, Deutschland
 Derbi, Spanien
 Ducati, Italien
 Fantic, Italien
 Garelli, Italien
 Gemini, Taiwan
 Hodaka, USA
 Horex Produktion SIS, Portugal
 ISO, Italien
 Italjet, Italien
 Jawa, Tschechien
 Kahena/VW, Mexico
 Laverda, Italien
 Macal, Portugal
 Malanca, Italien
 Moto Guzzi, Italien
 Moto Morini, Italien
 Mototrans Ducati, Spanien
 MZ, DDR
 Ossa, Spanien
 Penta, Slowakei
 Rizzato/Sidermo/Atala, Italien
 Schachner, Österreich
 Simson, DDR
 SIS/ Sachs, Portugal
 STM/Winking, Taiwan
 Suzuki, Japan
 SWM, Italien
 Taiwan Vespa, Taiwan
 Testi Produktion Horex, Italien
 TGB/Winking, Taiwan
 Tomos, Slowenien
 Voxan, Frankreich,
 Wiener/Winora (Exclusiv) Sachs und Elektro, Deutschland
 Winking/ Her Chee, Taiwan
 Zongshen, China
 


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