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Kenner & Sammler |
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"Mein Traumbike" Im Juni 1968 testete
Motorradpapst Ernst "Klacks" Leverkus |
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Wer kann sie nicht gleich reihenweise aufzählen, die ach so unerreichbaren Traummotorräder vom Schlage einer Harley-Davidson, MV Agusta, Vincent Black Shadow, Münch-4 TTS 1200 und wer weiß welche sonst noch. Als ich mit 16 Jahren begann, mich für Motorräder zu interessieren, war die "Triumph-Métisse" meine Traummaschine. Dieser Träumerei blieb ich irgendwie treu. Immer, wenn in "Benzingesprächen" die Frage nach meinem Wunschbike gestellt wurde, lautete die Antwort: "Triumph-Métisse". |
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Doch schön der Reihe nach. Der Anfang
war getan, und ich erinnerte mich an meine Träumerei, wie ich Stück
für Stück das Bike ganz individuell aufbauen wollte. Im Wohnzimmer
wollte ich damals, im Geiste versteht sich, den Renner
zusammenschrauben. Wollte jedes Aluteil auf Hochglanz polieren, wollte alle
wichtigen Schrauben durchbohren und mit Draht sichern, und, und... |
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Wieder war es ein Freund, der mir aus der Klemme half. Diesmal Marc aus Belgien. Für 150 Mark hatte er einen Dreizylinder-BSA Rocket Motor besorgt. Also nichts wie hin nach Gent und schnell mit dem Motor nach Haus! Wieder vergingen Monate, es war mittlerweile Januar 1979, und das Métisse-Chassis und der BSA-Motor verstaubten langsam in meiner Garage. Nun muss ich zu meiner Entlastung gestehen, dass mein Beruf mir wenig Zeit für die Bastelei erlaubte. |
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Anfang 1980 war es dann doch so weit.
Provisorisch hängte ich das Triebwerk in den Rickman-Rahmen und stellte
mit Genugtuung fest: er passt. Auch die Kettenflucht stimmte haargenau
überein, nur sämtliche Motorhalterungen mussten geändert werden. Der
Versuch, die Vergaseranlage und original 3-in-2 Auspuffkrümmer
notdürftig anzustecken, verlief auch positiv. Motor und Fahrwerk
schienen wie füreinander gemacht zu sein. Doch bald kam die erste
Ernüchterung. Als ich das Triebwerk bis auf die letzte Schraube zerlegt
hatte, stellte sich heraus, warum es so billig war. Außer dem Getriebe
war der Motor totaler Schrott! Selbst das Motorgehäuse war nach genauer
Begutachtung nicht mehr zu gebrauchen. Doch der Entschluss stand fest:
In das Métisse-Fahrwerk muss ein BSA-Rocket Motor rein. |
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Beim Studieren der Verkaufsanzeigen in den einschlägigen Fachblättern fand ich bald unter der Rubrik "BSA" zwei gebrauchte 750er Dreizylinder Rocket-Motoren, die jeweils für 1000 Mark aufgekauft wurden. Darüber hinaus deckte ich mich bei dem damaligen Triumph-Importeur Wüst in Heuchlingen mit allen möglichen Ersatzteilen ein, die für eine Restauration benötigt wurden.
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Jetzt hatte mich endgültig das Schrauberfieber gepackt, und fast jede freie Minute verbrachte ich in meiner Werkstatt. Den Aufbau der "BSA-Métisse" hatte ich in zwei Arbeitsgruppen geteilt. In der einen Ecke der Werkstatt wurden die Triebwerke zerlegt, alle Teile gewissenhaft gesäubert und geordnet. Aus diesem Sammelsurium sollte anschließend ein funktionstüchtiger und öldichter (die Betonung liegt auf Dicht!) Motor zusammengefügt werden. In dem anderen Teil der Behausung stand das Fahrwerk. Bei der weiteren Erzählung werde ich aber erst das Triebwerk und dann den Rahmen abhandeln, wenn dies auch nicht dem wirklichen Ablauf entspricht, da ich immer wieder mal da, mal dort, werkelte.
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Also zuerst der Motor. Ohne auf die
Modellentwicklung dieses BSA-Aggregates einzugehen und ohne die
englische Krone beleidigen zu wollen, darf gesagt werden: er ist die
größte Fehlkonstruktion, die es je gab. Und das kommt so: Das
Triebwerk besteht aus 32! einzelnen Motorgehäuse- und Gehäusedeckeln.
Dazu kommen alle Innereien, die sich drehen, hin und her bewegen,
Ausgleichsscheiben, jede Menge Dichtungen, O-Ringe und noch viele
Kleinteile mehr. |
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Ohne genau zu wissen, worauf ich mich da
eingelassen hatte, ging ich selbstsicher und voller Überzeugung ans
Werk. Jedes Gehäuseteil wurde auf Passgenauigkeit überprüft. Damit
ich 100% sicher sein konnte, dass alle Dichtflächen ohne
"Luftspalt" auflagen, machte ich mir die Arbeit, jedes Teil
in stundenlanger Fleißarbeit auf der Tuscherplatte planzuschleifen. Die
Seitendeckel wurden an der Schwabbelscheibe auf Hochglanz poliert und
die restlichen Gehäuseteile, sowie Zylinder, Zylinderkopf und
Kipphebelgehäuse per Glasperlenstrahlgerät gesäubert. |
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Weder Kosten noch Mühen scheute ich beim
Restaurieren des Zylinderkopfes. In der Werkstatt von meinem Freund
Wolfgang Köhn ersetzten wir nach Feierabend alle Ventilführungen und
frästen die Ventilsitze penibel nach. Die neuen Ventile wurden
gewissenhaft eingeschliffen und mit neuen Ventilfedern eingebaut. |
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Wie besprochen trudelte ich nach den Weihnachtsfeiertagen in Syke ein und machte mich gleich an die Arbeit. Nachdem ich jedes Lager in den Gehäusen erneuert hatte, wurde die überholte Kurbelwelle eingesetzt. Doch so einfach wie ich es mir vorgestellt hatte, ging es natürlich nicht. Als nämlich die Kurbelwellenhauptlagerböcke festgezogen waren, ließ sich die Welle nur noch mit Kraftanstrengung drehen. Unterstützt mit dem Know-how von Engländerspezi Udo Kölle musste die 14,5 Kilogramm schwere Welle nämlich nachträglich eingepasst werden. Um diesen "Klemmeffekt" zu beseitigen, schliff Kölle mit feinem Schmirgelleinen die Gleitlagerschalen von außen behutsam ab. Gut ein Dutzend Mal musste die Kurbelwelle ein- und wieder ausgebaut werden, bis sie endlich einwandfrei rundlief. Schritt für Schritt wurde danach das Vierganggetriebe, Primärtrieb, Zylinder und Zylinderkopf montiert. Ähnlich zeitaufwändig wie das Einbauen der Kurbelwellen gestaltete sich das Überprüfen der Steuerzeiten. Zwar ist die Positionierung der Stirnräder markiert, doch empfiehlt es sich, die Steuerzeiten nachzumessen. Hierzu muss der Kolben vom rechten Zylinder auf OT stehen, das Einlassventil soll dann genau 3,3 mm öffnen und das Auslassventil 3,8 mm schließen. Da sich die Stirnräder für den Antrieb der Ein- und Auslassnockenwelle in jeweils drei Positionen aufstecken lassen, können durch Versetzen der Zahnräder die Steuerzeiten beeinflusst werden. Trotz tatkräftiger Unterstützung von den Spezialisten in Syke, benötigte ich gut drei Tage für den Zusammenbau des BSA-Motors. Ohne den Zeitaufwand gerechnet, kostete mich das Triebwerk bis hier gut 5000 Mark nur für die Teile. |
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Nun zu dem Métisse-Rahmen: Bereits Mitte
der sechziger Jahre konstruierten die Rickman-Brothers einen
außergewöhnlichen Rennrahmen. Das aus dem leichten Flugzeugwerkstoff
"Reynolds-Rohr 531" gefertigte Chassis wurde nicht, wie damals
üblich, zusammengeschweißt, sondern hartgelötet. Um das Fahrwerk
dauerhaft gegen Korrosion zu schützen, wurde es, nachdem alle Rohre auf
Hochglanz poliert waren, vernickelt. Aber nicht nur optisch war das
Rickman-Fahrwerk eine Wucht. Da die Rahmenrohre gleichzeitig auch als
Ölreservoir dienten, war nämlich ein zusätzlicher Öltank für die
Trockensumpfschmierung nicht mehr erforderlich.
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| Zum
Nachspannen der Kette hatten sich die Rickman-Brüder auch eine sehr
pfiffige Lösung einfallen lassen. Über Exzenterscheiben ließ sich die
Schwingenlagerung im Rahmen nach vorne oder nach hinten verschieben. Da
sich zum Kettenspannen diese Exzenterscheiben nur paarweise austauschen
lassen, ist so garantiert, dass die Spur immer exakt bleibt. Das
Rahmen-layout war so großzügig ausgelegt, dass sich, wie bereits
erwähnt, alle möglichen Motoren einbauen ließen. |
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Doch Kienzler wusste sofort Rat und versprach, mir den
kompletten Rahmen nachzulöten. Wieder vergingen Wochen, bis ich endlich
das neu vernickelte Fahrwerk abholen konnte. Trotz der immensen Kosten,
immerhin hat mich diese Aktion fast 2000 Mark gekostet, war ich mit der
Ausführung sehr zufrieden und nun einen gehörigen Schritt weiter. |
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So, mit fast allen Teilen versorgt, konnte ich nun endlich mit dem Aufbau der BSA-Métisse anfangen. Nachdem die neuen Lager im Steuerkopf, in der Schwinge und in den Laufrädern eingesetzt waren, stellte ich das Fahrwerk auf die Räder. Der nächste Schritt war das Anfertigen der hinteren Motorhalterungen, die aus 6 mm Aluminiumplatten gefräst und anschließend auf Hochglanz poliert wurden. Nun lief es wie am Schnürchen. Das Einbauen des Triebwerkes war im Nu geschehen, und in wenigen Tagen war das Gewirr von Ölschläuchen verlegt, alle Klemmverbindungen vom Kabelbaum angeschlossen, neue Gaszüge mit einem Dreier-Verteiler angefertigt und das Fahrwerk mit 3,5 Litern Castrol 20 W 40 Motoröl befüllt. |
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Fünf Wochen später, einige Tage vor Pfingsten, kam die Anlage aus England. Lediglich eine Haltestrebe aus Alu musste ich noch anfertigen und schon war die Anlage montiert. Jetzt brauchte ich nur noch die "Rote Nummer" anschrauben, und nichts hielt mich mehr zurück. Stilecht, in schwarzer Lederkombination gekleidet und mit einem Cromwell Helm auf der "Birne", startete ich zu der Jungfernfahrt. Mit festem Vertrauen in die englische Technik - und natürlich auch in meine Arbeit - wählte ich als erstes Ausflugsziel ein Besuch bei Bernd Lohrig in Syke. Wie lange hatte ich auf diesen Moment gewartet, hatte mir in der Phantasie ausgemalt, wie das Fahrgefühl sein wird. Jetzt saß ich endlich auf meiner "BSA-Métisse" und konnte sie erleben. Der Auspuffsound erinnerte mich an den Klang eines Porsche 911. Da der Motor aber noch eingefahren werden musste, ließ ich die Drehzahlmessernadel nur selten über 4000 Umdrehungen steigen. Aber selbst, was sich bis in diesem Bereich abspielte, beeindruckte mich sehr. Das Fahrwerk war zwar insgesamt zu hart abgestimmt, doch zeigte es sich dafür ausgesprochen handlich und spurtreu. Auch die Bremsanlage ließ sich einwandfrei dosieren und verzögerte den nur 192 kg schweren "Café-Racer" tadellos. Ohne jegliche Probleme verlief diese Ausfahrt. Mein Traum, ein Traummotorrad zu besitzen, war im Sommer 1984 tatsächlich Wirklichkeit geworden. |
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Eigentlich könnte der Bericht hier
enden. Doch weit gefehlt, denn jetzt geht es erst richtig los. Während
der nächsten Ausfahrt leuchtete plötzlich die Ölkontrollampe auf, und
der Motor gab merkwürdige Geräusche von sich. Sofort stellte ich ihn
aus und überprüfte den Ölstand. Doch Motoröl war noch genügend im
Rahmen. Ist vielleicht nur der Öldruckschalter defekt, schoss es mir
durch den Kopf? Problemlos sprang der Motor nach dem ersten Kick wieder
an, auch die Ölwarnlampe verlosch, aber dafür hörte sich das
Triebwerk alles andere als normal an. Wie auf rohen Eiern fuhr ich mit
der BSA-Métisse nach Haus. |
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Irgendwann erinnerte ich mich an meine Träumerei, das Métisse-Fahrwerk ins Wohnzimmer zu stellen und Stück für Stück alle Bauteile genau nach meinen Vorstellungen anzubauen. Kaum war dieser Gedanke zu Ende gesponnen, stand die Métisse, allerdings ohne Motor, in meinem Büro. War das Fahrwerk an diesem Platz gut aufgehoben, konnte ich mich in aller Ruhe um das Triebwerk kümmern. Genau wie das erste Mal schraubte ich, als der Zylinder und die Kurbelwelle überholt waren, den Motor in der Werkstatt von Bernd Lohrig zusammen. Wieder war es zwischen Weihnachten und Neujahr, dieses Mal aber 1984 auf 1985 etwas "geübter" brauchte ich nur noch zweieinhalb Tage für die Montage. |
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Fast pünktlich im Frühjahr 1985 war "die Lady" wieder fahrbereit. War der Motor jetzt mit zuverlässiger Schmierung versorgt, brachte mich das Triebwerk trotz einwandfreier Leistungsentfaltung in den nächsten zwei Jahren schier zur Verzweiflung. Je nach Lust und Laune tropfte Öl aus dem Motor. War nach zeitraubender Schrauberei die defekte Dichtung ersetzt, dauerte es meist nur wenige Kilometer und das kostbare Nass floss gleich "eimerweise" aus dem Motor. Oft war nur ein undichter O-Ring an dieser Sauerei schuld... |
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Zum Glück gab es zwischendurch immer
wieder mal Momente, in dem das Triebwerk "dicht war". In so
einer Phase fuhr ich mit der BSA-Métisse zum TÜV. Ohne Beanstandung
schaffte sie die deutsche Zulassungsbürokratie und war somit
"eingebürgert". Gleichzeitig ließ ich ein Gutachten
erstellen, in dem ihr Wert auf 36000 Mark festgesetzt wurde. |
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60.000 Fans beim
historischen Rennen auf dem legendären Sachsenring 1990. |
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Trotz aller Probleme, die mich viele Stunden und Tage Bastelei gekostet haben, hat sie mich seitdem nie unterwegs im Stich gelassen. Und wenn ich zum Schluss ganz ehrlich bin, kann ich es bis heute kaum begreifen, warum der Motor auf einmal dicht ist und der Apparat so verteufelt gut geht. |
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Motor: |
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Getriebe:
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Fahrwerk: |
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Abmessungen: |
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Ausstattung: Wert: 25.000 Euro
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Experten-Adresse |
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