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Ein
Fest für Technikfans und Motorsportfeaks gibt es am 20./21.
August im Vogelsbergstädtchen Schotten. Der „17. Int.
VFV/ADAC Schottenring Classic Grand-Prix" vereint
die 80-jährige Tradition der Schottenringrennen mit der
Motorrad- und Automobiltechnik seit der Kaiserzeit zu einem
packenden Sportereignis auf dem 1,4 Kilometer langen Stadtkurs.
Angesichts der positiven Wettervorhersagen erwarten die
Veranstalter 20.000 Besucher. Hautnah erleben sie über ein
Dutzend Rennen zur Deutschen Historischen Motorradmeisterschaft
(DHM). Gegen einen geringen Obolus können Rennbesucher in einem
spektakulären Audi Rallye-quattro oder im Beiwagen eines
Gespanns mitfahren. Das offene Fahrerlager wird zum „Museum"
mit einem Querschnitt der besten Maschinen ihrer Epochen. Und
natürlich ist Schotten wieder mal beliebter „Pflichttermin"
für Weltmeister und Spitzenfahrer von Einst.
Technik und Historie: Schätze aller Klassen
und Epochen
Das älteste Motorrad am Start zur Deutschen
Historischen Motorradmeisterschaft stammt aus dem Jahr 1903,
eine 230 Kubikzentimeter Peugeot. Das jüngste Fahrzeug ist der
476 PS starke Audi Sport quattro S1aus dem Jahr 1985, mit dem
Walter Röhrl/Christian Geistdörfer u. a. die Rallye Monte
Carlo bestritten. Rallyestar Harald Demuth, der selbst auf Audi
und Mercedes-Benz in der Rallye-DM überaus erfolgreich war,
wird damit ein paar Showrunden drehen. Neben den Ur-Formel-3 der
Nachkriegszeit wird die Entwicklung des Motorradbaus im
Vordergrund stehen. Die kreischenden „Schnapsglas"-50er
Maschinchen kontrastieren mit dem hochvolumigen Viertaktgebrodel
italienischer Provenienz der 50er-Jahre. Doch nicht nur die
Entwicklung bei den Motoren ist hochinteressant, sondern
Aufsehen erregend auch die Quantensprünge in der Bauweise der
Seitenwagenklasse: Vom quasi angeschraubten Beiwagen bis hin zum
beim Formel(auto)sport abgeleiteten Gespann.
Promis en gros: Weltmeister und Spitzenfahrer
Prominente ehemalige Rennfahrer sind auch als
aktive Piloten dabei – sowohl bei den Meisterschaftsläufen
der DHM als auch bei den Sonderläufen des
Veteranen-Fahrzeug-Verbandes (VFV). Viele Geschichten und
Anekdoten werden die Weltmeister bei „Benzingesprächen"
mit ihrer Kollegen-Konkurrenz von Einst an der Strecke und im
Fahrerlager zum Besten geben. Geschichte und Geschichten werden
die Zeit aufleben lassen, als noch mit Halbschalenhelm, Jethelm
und offenem Auspuff gefahren wurde. Allein aus dem Gespannsport
stammt ein halbes Dutzend ehemaliger Weltmeister und
Spitzenfahrer mit zusammen 76 Grand-Prix-Siegen: Ralf Bohnhorst
, Fritz Cron, Stanley Dibben, Klaus Enders, Ralf Engelhardt;
Wilhelm Noll, Siegfried Schauzu, Walter Schneider, Werner
Schwärzel und Ken Williams haben sich für Schotten angesagt.
Noll/Cron, Dibben und Schneider sind in den 50er-Jahren selbst
auf dem Schottenring gefahren.
Hüben und Drüben: Die Top-Stars
Heinz Rosner aus dem sächsischen Hundshübel
und Klaus Enders aus dem hessischen Aßlar sind die
erfolgreichsten Vertreter des Motorsports beider deutscher
Staaten beim „17. Int. VFV/ADAC Schottenring Classic
Grand-Prix". Beide haben Rekorde für die Ewigkeit
aufgestellt. Klaus Enders wurde trotz zahlreicher und namhafter
Konkurrenz in sieben kompletten WM-Saisons sechs Mal Weltmeister
bei den Seitenwagen. Er holte 27 Grand Prix-Siege und gab sich
allenfalls mit Platz 2 zufrieden…
Heinz Rosner vollbrachte 1968 das Kunststück
in drei WM-Klassen unter die Top 4 der Welt zu fahren. Er wurde
3. bei den 250ern und jeweils 4. in der 125- und 350-ccm-Klasse.
Einen solchen Dreifacherfolg haben weder Legenden wie Phil Read
und Jarno Saarinen noch Spitzenpiloten wie Dieter Braun, Dave
Simmonds und Jack Findlay hingekriegt!
DDR und BRD: Die Werksmaschinen
Deutsche Motorradwerke in der
Weltmeisterschaft? Heute tun sich die verbliebenen Hersteller
schwer, eine Entscheidung zu treffen und den härtesten
denkbaren Konkurrenzkampf aufzunehmen. Bis in die 70er-Jahre
hinein stellte sich die Frage erst gar nicht. Natürlich waren
die Werke dabei, um den europäischen und japanischen
Mitbewerbern zu zeigen, dass man technisch und sportlich
Weltklasse war!
Das galt nicht nur für die west-, sondern
auch die ostdeutschen Hersteller. Und was seinerzeit „state-of-the-art"
war, ist in Schotten zu bestaunen. Das Team von „Audi
Tradition" bringt ein halbes Dutzend DKW- und NSU-Maschinen
der 30er- und 50er-Jahre. MZ deckt die 60er- und 70er-Jahre mit
Werksmotorrädern ab. Und natürlich werden die „Schätzchen"
von ehemaligen Werksfahrern pilotiert.
So vertritt August „Gustl" Hobl die
westdeutschen Marken. Hobl war 1956 mit einer 350er-DKW
Vizeweltmeister hinter dem unschlagbaren Briten Bill Lomas. 1955
siegte der seinerzeitige WM-Dritte beim letzten Rennen auf dem
alten Schottenring. Hobl war ein „Exot" – sowohl als
Deutscher als auch mit einer deutschen Maschine. Auch in anderen
Klassen gehörte zur Weltspitze.
Dem ostdeutschen Hersteller MZ gebührt die
Ehre, Pionier in der Motorsporttechnik gewesen zu sein. Die
Sachsen waren die ersten, die konsequent auf Zweitakter setzten,
was sich in den 60er-Jahren als die überlegene Motorkonzeption
erweisen sollte. MZ war das Werksengagement so wichtig, dass
sogar Fahrer aus dem „kapitalistischen" Ausland engagiert
wurden. In Schotten repräsentieren u. a. Topfahrer Heinz Rosner
und die mit Weltmeisterschaftspunkten ausgestatteten Thomas
Heuschkel und Günter Hilbig die Marke. |