Szenen-News Dezember 2006


Sportlichkeit und Ästhetik

Sonderschau Bugatti im Rahmen der Bremen Classic Motorshow



Bugatti - wer gerät nicht schon bei diesem wohlklingenden Autonamen ins Schwärmen? Markenzeichen der meisten historischen, blauen Fahrzeuge: Ein halb-ovaler, hufeisenförmiger Kühler mit einem roten Emailleschild und weißem Schriftzug an der Spitze. Auf der 5. Bremen Classic Motorshow vom 2. bis 4. Februar 2007 können die Besucher die automobilen Schätzchen im Rahmen der Sonderschau hautnah bewundern. Zu sehen sein werden viele außergewöhnliche Raritäten und Prototypen. Zum Beispiel der Bugatti T32 "Tank", der legendäre Rennwagen T35, der Royale Esders, ein Bébé-Unikat, ein Aerolithe, ein T55 GP Roadster sowie der T64 - und die sind zum Abschuss - natürlich nur mit der Kamera - freigegeben.

Eigens vom Musée National de l´Automobile in Mulhouse werden die Raritäten von Frankreich nach Bremen transportiert. „Die Bremen Classic Motorshow ist für uns eine gute Gelegenheit, einige Seltenheiten unserer Sammlung dem interessierten Publikum in Deutschland zu zeigen“, so Richard Keller vom Museum. „Wir bringen Kostbarkeiten, bei denen Sammlerherzen höher schlagen. Der riesige Bugatti Royale Esders ist sozusagen ein Roadster für Könige. Der T32 „Tank“, dessen experimentelle Karosserie ganz außergewöhnlich aber zukunftsweisend war, sowie den Bugatti T64, einen Prototypen, den Jean Bugatti höchstpersönlich fuhr.“ Kein Wunder, verließen die exklusive Autoschmiede im elsässischen Molsheim lediglich 7900 Fahrzeuge. Vom Royale wurden gar nur sechs produziert.

Die Firma war legendär dafür, die besten Sportwagen ihrer Zeit zu bauen. Firmengründer Ettore Arco Isidoro Bugatti wurde am 15. September 1881 in Mailand geboren. Seine künstlerische Ader, die später in seinen Automobilbau einfloss, wurde ihm in die Wiege gelegt. Sein Vater Carlo war ein wichtiger Möbel- und Juwelen-Designer, sein Großvater Architekt und Bildhauer. Schon früh zieht es Bugatti auf die technische Schiene. Als Konstrukteur drückte er der Gasmotorenfabrik Deutz seinen Stempel auf. Der Schritt zur Selbstständigkeit ist für den Pferdeliebhaber Ettore Bugatti vorgezeichnet. Obwohl in Italien geboren gründete Ettore Bugatti seine Automobilfabrik im Molsheim im Elsass. Das erste Fahrzeug, das die Werkshalle verlässt, ist der T13, für den Bugatti den Begriff „Le Pur-Sang“ (Vollblut) schützen lässt. Mit seinen recht geringen Abmessungen und dem kleinen Motor (1,327 Liter Vierzylinder, 22 PS) kann sich das Fahrzeug aber nicht den erhofften Respekt verschaffen. Das ändert sich schlagartig nach Abschluss der ersten Rennen, bei denen der Bugatti ausgezeichnet abschneidet. Weitere, etwas größere Typen (15 und 17) folgen, wenngleich der Typ 13 bis 1925 produziert und verkauft wird.

Ein Schuss Größenwahn gehörte wohl dazu, als Bugatti den T41 Royal baute. Es sollte der größte und teuerste Superluxuswagen der 20er Jahre werden, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt, Königen und Millionären vorbehalten. Unter der Haube des 1927 vorgestellten Prototypen bullerte ein gigantischer 14,7-Liter Achtzylinder (der später auf 12,7 Liter reduziert wurde) mit 250 PS. 4,57 Meter Radstand, 1,60 Meter Spurweite, Gewicht 3,2 Tonnen, Verbrauch 50 Liter auf 100 Kilometer - so weitere Daten. Die Produktion ist auf 25 Fahrzeuge ausgelegt. Doch die Könige und Reichen der Welt halten sich bedeckt. Lediglich Alfons XIII. von Spanien bestellt einen (tritt später aber vom Kauf zurück). So werden nur sechs Royals produziert, lediglich vier (für damals unvorstellbare 150 000 Franc, nur für das Chassis) verkauft.

Bei den kleineren Fahrzeugen läuft die Produktion aber gut weiter. Doch 1939 erleidet die Firma einen schicksalsschweren Schlag: Jean Bugatti, Sohn des Firmengründers, stirbt im Alter von nur 30 Jahren bei Testfahrten mit einem 57C-Rennwagen nahe der Fabrik in Molsheim. Danach sank der Stern Bugattis. Der 2. Weltkrieg ruinierte die Fabrik vollends und die Firma erholte sich davon nicht mehr, wenngleich sie bis 1963 weiter produzierte.

Ettore Bugatti starb am 21. August 1947 in Paris. Doch sein Name lebt weiter. Heute baut VW, das seit 1998 die Rechte am Namen hat, Supersportwagen mit Höchstgeschwindigkeiten jenseits der 300 km/h. Optisches Markenzeichen damals wie heute: Der halb-ovale, hufeisenförmige Kühler mit dem roten Bugatti-Emblem an der Spitze.


Die fünfte Bremen Classic Motorshow öffnet ihre Pforten von Freitag, 
2. Februar bis Sonntag, 4. Februar 2007 jeweils von 10 bis 18 Uhr. 
Der Eintritt beträgt 13 Euro. Telefon 0180 555 837 42. Weitere Infos unter
www.classicmotorshow.de


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