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Ardie, Bayernland, Mars, Neander; Wimmer – die
Geschichte des Motorradbaus in Deutschland hat viele Fassetten.
„Eigentlich denkt man an die großen Namen BMW, DKW, Horex, MZ, NSU und
Zündapp. Dass aber oft gerade kleinere Hersteller den Fortschritt
beförderten, und genau das bauten, was ihre Kunden wollten, merkt man
umso mehr, je tiefer man in die Materie einsteigt“, sagt Martin
Grundmeyer vom Veteranen Fahrzeug Verband (VFV), der für die exquisite
Sammlung steht, die in der Motorradszene während der Bremen Classic
Motorshow vom 5. bis 7. Februar 2011 von sich reden machen wird.
Die Hersteller dieser individuellen Zweiräder waren in vielen Fällen so
genannte Konfektionäre. Der Wortstamm „confectio“ stammt aus dem
Lateinischen und bedeutete dort auch „Fertigstellung, Vollendung“. Im
Sprachgebrauch der Motorradfahrer ist ein Konfektionär ein Hersteller,
der zugelieferte Motoren von spezialisierten Motorenproduzenten in
eigene Fahrgestelle montiert. Einer der bekanntesten Konfektionäre war
die Marke Hercules. Nicht nur, dass Hercules im Motorradsport über viele
Jahre eine große Rolle spielte, die Franken stellten auch in bestimmten
Segmenten den Marktführer, so bei den 100ern und den 50er Mopeds und
Kleinkrafträdern. Andere Konfektionäre wiederum erfüllten Wünsche, bei
denen die Großserienhersteller passen mussten. Zum Beispiel Friedel
Münch, der um einen NSU-Wagenmotor das deutsche Superbike der Neuzeit
schuf. „Auch vor dem Krieg fand der anspruchsvolle Enthusiast im Kreis
der Konfektionäre Gehör und bekam mit Maschinen wie der weißen Mars, der
1000er Tornax oder Bayernland große Wünsche erfüllt“, erläutert
Grundmeyer.
Aber auch in den kleinen Klassen zeigten Konfektionäre Profil und
brachten Fortschritt an den Kunden: So die Kölner Allright aus der
Kaiserzeit mit ihrer sauber federnden Truffault – Vordergabel. In den
20er Jahren setzten die hochwertigen Standard-Motorräder von Wilhelm
Gutbrod Maßstäbe. Ardie gab mit der „Silberpfeil“ und ihrem Rahmen aus
Duraluminium Fingerzeige für die Zukunft. Am Vorabend des Zweiten
Weltkriegs zeigte die kleine Phänomen Ahoi mit ihrer Allradfederung,
dass selbst die legendäre RT 125 des Branchenriesen DKW ihre Mankos
hatte.
Auch und gerade in der Frühzeit der Bundesrepublik erblühten die
Konfektionäre erneut. Waren es vor 1940 mächtige Viertakter von JAP,
Küchen, MAG oder Bark gewesen, die deutsche Konfektionsmaschinen
antrieben, lieferten nun Sachs und Ilo robuste Zweitakter für den
Alltag, die das Volk auf die Räder brachten. Und genau wie zuvor standen
die Konfektionäre nicht nur für solide, bezahlbare Maschinen mit dem
gewissen Etwas, sondern brachten auch den Fahrwerksfortschritt jener
Jahre früher an die Kunden als die Marktriesen. Eine repräsentative
Auswahl dieser Fahrzeuge wird während der Bremen Classic Motorshow die
Herzen der Fans höher schlagen lassen.
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