Denkwürdige-Ereignisse


Erinnerungen von Winni Scheibe an seine Begegnung 1970
mit dem Bones-Gründer und späteren dreifachen
AMA Sidecar National Champion 
Larry Coleman.

"Biker und Racer mit Benzin im Blut"

Text: Winni Scheibe
Fotos: Archiv-Coleman, Winni Scheibe, Archiv-Scheibe, Archiv-Werk


US-Racer Larry Coleman
(Archiv-Scheibe)


Als Jugendlicher verschlang ich Abenteuerromane, schaute Cowboy- und Indianer TV-Serien und träumte vom Wilden Westen. Im Teenageralter drehte sich fast alles um Beatmusik, Flowerpower und kalifornischen Hippiekult. Kaum 18 Jahre alt lief 1969 Easy Rider im Kino. Wenig später war ich ein frisch gebackener Motorradfahrer. Anfang der 1970er Jahre lernte ich in Frankfurt US-GI Larry Coleman und seinen nach amerikanischem Vorbild organisierten eben gegründeten  Motorradclub Bones kennen. Aus dem Treffen mit Larry  wuchs eine feste Freundschaft mit immer wieder kehrenden Begegnungen bei uns in Deutschland und ab 1980 in seiner Heimat, dem "Wilden Westen" der USA, in  Kalifornien.     


Erinnerungen von Larry Coleman und Winni Scheibe an den Bones MC

Eine Geschichte, die längst zur Geschichte geworden ist:
Bones MC: "Wie es 1968 anfing..."



Bones MC Frankfurt um 1969
(Foto: Archiv-Coleman)


Fast zeitgleich zu Easy Rider (Kultfilm USA 1969) kamen bei uns die Chopper-Philosophie und Biker-Manie auf. Zunächst aber nur vereinzelt, denn fertig zu kaufen gab es die skurrilen Bikes noch lange nicht. Wer nach amerikanischem Vorbild einen individuellen Chopper wollte, musste selbst den Schraubenschlüssel schwingen. Auch die Clubszene, MC Motorradclub, steckte noch in den Kinderschuhen. Doch die Steine rollten...



Kultfilm: "Easy Rider"
(Archiv-Scheibe)


Seit Ende 1968, noch fünf Jahre bevor die Hells Angels MC in Hamburg gegründet wurden, gab es in Frankfurt am Main  bereits einen echt-amerikanischen Motorradclub, die Bones. In diesem MC waren zunächst nur eine Handvoll US-Soldaten organisiert, die fern der Heimat ihr Hobby pflegten. Genau wie bei den MC`s zu Hause trugen sie die Colors (Bezeichnung für die Rückenpatches oder auch Clubabzeichen) auf dem Rücken ihrer Jeansjacke. Bei den Bones war es eine übergroße Knochenhand, die auf schwarzem Stoff gestickt war.

 

Gründungsmitglied und erster Präsident der Frankfurter Bones war Larry Coleman. Als Larry mit einigen jungen, damals wehrpflichtigen in der Rhein-Main Air Base stationierten, US-GIs die Bones gründete, ahnte sicherlich keiner von ihnen, dass ihr Club mal Ursprung und Vorbild für den Bikerkult und die MC-Szene in Deutschland, vielleicht sogar für Europa, werden sollte. Heute gehört die Bones-Gründerzeit längst zur Geschichte. Und weil die Sache schon so lange her ist, muss man sich ganz weit zurücklehnen und nachdenken, wie es denn damals so war. Ein Erlebnis werde ich allerdings nie vergessen. 

 


Bones Präsident:
 Larry Colemam (um 1969 -1970)
(Foto: Archiv-Coleman)


Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre waren aus unserer damaligen Motorradclique in Arolsen (Nordhessen) Karlheinz, Gisela und ich zu einer Fete in Frankfurt eingeladen worden. Ich gebe ehrlich zu, ich hatte als damals gerade 18-jähriger Motorradnovize keine Ahnung zu wem und zu was für einer Motorradfete wir eigentlich fuhren. Den beiden anderen gings kaum besser. Wir hatten lediglich die private Adresse von einem amerikanischen Soldaten namens Larry Coleman, bei dem wir Freitagabend in Frankfurt eintrudelten. In der Wohnung war bereits Mords-Stimmung, wir wurden aber, obwohl uns fast keiner kannte, wie alte Freunde begrüßt und aufgenommen. Außer Larry und seiner deutschen Freundin sprach keiner deutsch, es waren alles Amis. Das spielte aber überhaupt keine Rolle, mit unseren paar Brocken Schulenglisch wurde es nämlich noch lustiger. Doch was noch viel wichtiger war und uns verband, war das gemeinsame Hobby: Motorrad fahren. Anfang der 1970er Jahre war ja bekanntlich auf westdeutschen Straßen  absolut "tote Hose", und die, die damals Motorrad fuhren, ließen sich an zwei Händen abzählen. Heute längst vergessen und nicht mehr vorstellbar.
Bis tief in die Nacht saßen wir zusammen, erfuhren von ihrem MC, diskutierten über Gott und die Welt, tranken etliche Flaschen Bier leer und einige rauchten sogar Joints.

Am nächsten Morgen ging's zum verabredeten Treffpunkt an der Rhein-Main Air Base. Larry fuhr mit seinem BMW-R69S-Gespann vorweg, Karlheinz folgte auf seiner futschneuen BMW R75/5, ich hatte damals eine BMW R50S. Von dort aus starteten wir mit über einem Dutzend Motorrädern in den Taunus. Noch nie zuvor war ich in einer so großen Motorradgruppe und dazu auch noch so langsam gefahren. Mick, der einzige auf einer Harley-Davidson, fuhr an der Spitze, er bestimmte mit seiner Sportster das Tempo. Die andern folgten, immer schön rechts-links versetzt. Von Larry war vorab bei der Fahrerbesprechung striktes Überholverbot in der Gruppe angesagt. Unser Ziel war ein Waldgasthaus im Wispertal. Vom Wirt hatten sich die Bones bereits Tage vorher das Campen auf der Wiese erlauben lassen, aber sicherlich hatte der Gastwirt niemals damit gerechnet, dass die "verrückten Motorradfahrer" tatsächlich auftauchen würden, schließlich war es Mitte Februar. 


(Foto: Archiv-Coleman)


Wir hatten zunächst die Kneipe ganz für uns alleine und konnten so ungestört unseren Spaß ausleben. Als später Gäste kamen, wechselten wir ins Nebenzimmer. Noch etwas später kam einer auf die Idee, zu einer Karnevalveranstaltung im Nachbarort zu fahren. Wegen einer Kostümierung brauchten wir uns keine Gedanken zu machen, wir waren ja bereits als "Motorradfahrer" verkleidet. Bis in die frühen Morgenstunden feierten wir im Festsaal. Es war eine bockstarke Party, alle, die Einheimischen, die Bones und wir als MC-Gäste, hatten riesigen Spaß.
Tief beeindruckt von der Kameradschaft, aber auch vom disziplinierten Auftreten der Bones habe ich dieses MC-Wochenende bis heute nicht vergessen. Bald sollten weitere Besuche bei den Bones und Larry folgen, zwischen Larry und mir entwickelte sich im Laufe der Zeit eine echte Freundschaft.



(2 Fotos: Archiv-Coleman)


Zeitungsbericht in
 "The Overseas Weekly"
Oktober 1968


 



Bones Clubleben um 1969 - 1970



(4 Fotos: Archiv-Coleman)


"Long time ago"

Mein Drang zur Weiterbildung und dem nochmaligen Drücken der Schulbank, von 1974 bis 1976 machte ich die Ausbildung zum Maschinenbautechniker, ließ den Kontakt zu Larry und dem Bones MC später ziemlich einschlafen. Und als ich irgendwann erfuhr, Larry sei in seine Heimat Kalifornien zurückgekehrt, dachte ich nie und nimmer daran, ihn je wieder zu treffen. Die Bones hatten sich im Laufe der Jahre längst zum größten Biker-Club bei uns entwickelt, auch wurden sie für viele deutsche MC`s das Vorbild schlechthin.
Das Kapitel Larry Coleman war eigentlich für mich abgeschlossen. Eigentlich, denn es sollte ganz anders kommen.



Wiedersehen mit Larry Coleman:
1980 in Daytona Beach bei der Bike Week

Als ich 1980 in Daytona Beach bei der Bike Week war und mit meinem Mietwagen raus zum Speedway fuhr, winkte mir am Straßenrand jemand zu. Ich stoppte und er fragte, ob ich ihn ins Fahrerlager mitnehmen könnte. Sofort kamen wir ins Gespräch und als mein Beifahrer merkte, dass ich Deutscher bin, kamen gleich die Klischee-Sätze: "Oh Germany, kenne ich auch. Da war ich als Soldat stationiert. Ich habe Frankfurt, Heidelberg und Hockenheim gesehen". Als er dann aber auch noch erzählte, dass er in Deutschland viel Motorrad gefahren sei, fiel mir nichts besseres ein als: ich kannte auch mal einen Ami namens Larry Coleman. Er sah mich mit großen Augen an, tippte sich auf die Brust und rief: "Larry Coleman bin ich!" War das eine Überraschung! Solche Zufälle erlebt man nicht oft im Leben. Nun muss zum besseren Verständnis erwähnt werden, dass ich Larry mit langen Haaren und einem Rauschebart in Erinnerung hatte. Als wir uns in Daytona trafen, waren die Haare kurz, und an Stelle des Vollbartes trug er einen Schnäuzer, und dann waren ja auch noch etliche Jahre dazwischen.



Gespann-Experte: Larry Coleman 1980 bei der Bike Week in Daytona Beach

Seit dieser Zeit stehen wir in ständigem Kontakt. Larry hat mich in Deutschland besucht, ich war einige Male bei ihm in Kalifornien. Als wir uns eines Tages über alte Zeiten unterhielten, kam mir die Idee, dass man die Entstehungsgeschichte der Bones eigentlich aufschreiben sollte. Larry kramte spontan in seinen Arsenalen und drückte mir einen Schuhkarton voller alter  Fotos und Zeitungsberichte in die Hand. Und weil wir schon so tief in der Vergangenheit schwelgten, machten wir uns auch gleich
an die Arbeit.


Alte Freunde:
San Francisco 1981 Larry und Winni 


Interview mit Bones-Gründer Larry Coleman




Winni:
Wer hat eigentlich die Bones gegründet?

Larry:
Wir waren damals sechs oder acht motorradverrückte GI´s und kamen im Herbst 1968 auf die Idee einen Motorradclub  zu gründen.


US-Biker um 1965: Larry Coleman
(Foto: Archiv-Coleman)


Winni:
Wie kamt ihr zu eurem Clubzeichen und Namen?

Larry:
Damals gab es bei uns in MAD Magazin eine Story über die Gefahren des Rauchens. Als abschreckende Illustration war eine Knochenhand, die eine Zigarette hielt, abgebildet. Wir fanden das Cartoon sehr witzig und beschlossen, das wird unser Colors und wir nennen uns BONES. Wir haben uns nicht viel dabei gedacht, es passierte ganz spontan, fertig, so einfach war es. Zunächst trugen wir nur die Knochenhand auf schwarzem Untergrund, allerdings anstelle der Zigarette, das Bones-Logo zwischen Daumen und Zeigefinger. Erst als wir den Mannheimer Chapter aufmachten kamen die Rockers (die gebogenen Balken mit Schriftzeichen oben und unter den Colors) hinzu.


Winni:
Gab es damals schon eine Clubsatzung und wer durfte Bones werden?

Larry:
Das Wichtigste und natürlich die Voraussetzung war der Besitz eines eigenen  Bikes. Unsere eigentliche Clubsatzung bildete sich erst im Laufe der Zeit. Wer bei uns mitmachen wollte, konnte mitfahren und bei Parties teilnehmen, aber erst, wenn ein Neuer von allen Bones-Clubmitgliedern  einstimmig akzeptiert wurde, durfte er das Clubabzeichen tragen. Als im Sommer 1969 immer mehr zu uns kamen, erschwerten wir die Mitgliedschaft. "Clubarbeiten",  die ein Bones nicht mehr machen wollte,  
zum Beispiel beim Besuch eines Motorradtreffens das Bones-Clubzelt aufbauen, für kaltes Bier sorgen und aufräumen,
musste der Anwärter erledigen (Larry lacht). Es war allerdings damals nie besonders schwierig ein Bones zu werden. Im Vordergrund stand ja das Motorrad fahren, die Kameradschaft und natürlich die Loyalität zum Club.




Winni:
Wie lange warst Du Präsident von den Frankfurter Bones?

Larry:
Ich war rund drei Jahre Präsident, vom Anfang bis 1971. Schon bald kam Gene I. Thoms und Fips (Günter Brecht, später Macher des Szenenmagazins BIKERS NEWS, Huber-Verlag) zu mir und wollten ein Chapter in Mannheim gründen, später folgte der Chapter in Wiesbaden.


Winni:
Ihr wart ja alle bei der Armee, welche Dienstgrade hattet ihr?

Larry: 
In der Regel hatten alle Mannschaftsdienstgrade, einige waren Unteroffiziere, aber meines Wissens war kein Offizier dabei.


Winni:
Hattet ihr die MC-Idee eigentlich aus den USA mitgebracht und hattet ihr amerikanische MC-Vorbilder?

Larry:
Die eigentliche Idee für unseren MC hatten wir Ende 1968. Natürlich kannten wir amerikanische Motorradclubs. Bei uns in den Staaten haben MCs ja eine lange Tradition.  Fast so lange schon, wie es bereits Indian und Harley-Davidson gibt. Schon in den 1910er und 1920er Jahren haben die beiden großen  Motorradhersteller eine professionelle Händlerpolitik betrieben.  Nur ausgewählte und motorradüberzeugte Handwerker wurden als Vertragshändler eingesetzt. Für eine gute Markenbindung vom Hersteller zum Motorradkäufer gab´s bereits damals Fahrerbekleidung mit großen Indian oder Harley-Davidson Aufschriften. Viele Dealer organisierten für ihre Kundschaft  Motorradtouren zu Rennveranstaltungen, zu Motorradtreffen oder zum Barbeque mit Lagerfeuerromantik am Wochenende. Dabei trugen die Indian oder Harley-Davidson Fahrer stolz wie Oskar die Bekleidung mit dem Markenlogo. Manche Händler erweiterten auf der Bekleidung die Markenaufschrift mit ihrem Firmennamen. Das gab der jeweiligen  Kundschaft eine noch engere Gruppenbindung. Tauchte irgendwo solch ein Tross auf, wussten  andere Motorradfahrer sofortm woher die Gruppe stammte.
D
iese Gruppengemeinschaft war sicherlich   Ursprung der späteren vereinsmässig- strukturierten  Motorradclubs. 
Motorradfahrer anderer Marken, aber auch Indian und Harley-Davidson Biker, die nicht in diesen elitären markenbezogenen Gruppen mitfahren und mitmachen wollten, schlossen sich so ab  den 1930er Jahren in nicht markengebundenen, freien Motorradgruppen oder auch schon in Motorradclubs zusammen. Ähnlich wie in anderen gesellschaftlichen Vereinen oder Clubs wurde hier das Hobby Motorrad fahren gepflegt und gelebt. Man traf sich beim Stammtisch, verbrachte die Freizeit zusammen und unternahm Ausfahrten. Es gab bestimmt damals bei den MCs auch schon mehr oder weniger eine  Clubsatzung mit Clubpräsident, Kassenwart, Schriftführer, regelmäßigen Clubmeetings und was sonst noch alles dazu gehörte.  Typisch bei allen war aber auf jeden Fall das auf dem Rücken getragene individuelle  Clubabzeichen. Meist wurde der Clubname mit Clubsymbol auf eine Lederjacke oder Weste genäht, oder  gestrickt. Eins hatten aber alle MCs gemeinsam und das war die Begeisterung und Leidenschaft fürs Motorrad fahren, die Kameradschaft und Hilfsbereitschaft, man hielt zusammen wie Pech und Schwefel. 

Wir hatten aber auch diverse Rockerfilme gesehen, wussten, was in der Szene abging. Später haben wir die Rockers (die zusätzliche Clublogos auf der Weste) zu unseren Colors hinzugefügt, das war schon den amerikanischen Clubs nachempfunden. Aber mit den Hollywood-Rockerfilmen  konnten wir nichts anfangen und so etwas war auch nicht unser Ding. Nie haben wir uns als Rocker oder Biker bezeichnet, wir waren überzeigte Motorradfahrer. Manche von uns und besonders ich waren begeisterte Racer-Fans. 


In den USA entstanden bereits in den 1920er Jahren markentreue 
Indian (Firmengründung 1901) und Harley-Davidson (Firmengründung 1903)
Motorradfahrer-Gruppierungen.


Harley-Davidson Fahrer um 1920
(Foto: Werk)




Indian und Harley-Davidson Motorradfahrer um 1930 gemeinsam auf Achse.
(Foto: Werk)


 


Winni:
Ab wann gab es deutsche Biker bei den Bones?

Larry:
Ich denke so ab 1970. Der größte Zulauf von deutschen Mitgliedern kam, als wir das Mannheimer Chapter aufmachten.


Winni:
Hatten die Bones auch Frauen als Mitglieder?

Larry: 
Wir erlaubten weiblichen Personen "angehängte" Mitglieder zu sein, sie bekamen einen kleinen Armaufnäher, den sie tragen durften.

Winni:
Welche Motorräder habt ihr damals gefahren?

Larry:
Hauptsächlich waren es BMWs, weil da am einfachsten dran zu kommen war. Einige fuhren aber auch BSA, Triumph oder Norton, und als die Honda CB750Four rauskam, natürlich auch die. Ich fuhr BMWs mit Seitenwagen und wie du dich sicherlich noch gut erinnern kannst, fing ich während meiner Bones-Zeit mit der Gespannrennerei im Jupo an.



BMW-Renngespann


Winni:
Hattet ihr eure Maschinen aus den Staaten mitgebracht oder erst in Deutschland gekauft?

Larry:
Wir hatten die Bikes aus Deutschland, einige holten sie sich aus England. Wir hatten allerdings auch schon einige Harleys im Club, die direkt aus den USA kamen, doch Harleys waren eigentlich selten.


... Harleys kamen erst später...
(3 Fotos: Archiv-Coleman)


Winni:
Gab es damals Probleme mit der Polizei, oder mit der MP?

Larry:
Wir hatten niemals Ärger mit den deutschen Gesetzen und die Militärpolizei auf der Air Base kümmerte sich auch nicht viel um uns, sie ließen uns ziemlich in Ruhe. Wir hatten tatsächlich niemals irgendwelche Probleme mit der deutschen Polizei. In der Zeit, als ich Präsident war, wusste ich ganz genau, wann und wo wir über die Stränge schlagen konnten und wann eben nicht.


Winni:
Gab es damals schon andere deutsche MCs, die Colors trugen?

Larry:
Zu dieser Zeit waren die deutschen Clubs hauptsächlich Mopedcliquen, die wir allerdings überhaupt nicht beachteten. Soweit ich mich erinnern kann, waren die Bones der erste echte "Big-Bike"-Club in der ganzen Gegend.


Winni:
Wie sah euer Clubleben aus und was habt ihr so angestellt?

Larry: 
Wir trafen uns mindestens einmal pro Woche in einer Kneipe an der Air Base, mit den anderen Chapters kamen wir wenigstens einmal im Monat zusammen. Der Treff Altrip wurde bald sehr populär, unser Mannheimer Chapter hat sich da mächtig ins Zeug gelegt.
Wir fuhren jedes Jahr zum Elefantentreffen am Nürburgring, es war schließlich das größte Motorradtreffen, das es in jener Zeit gab. Aber einmal wollten sie uns da nicht haben, wir sind aber trotzdem hingefahren und der befürchtete Ärger blieb natürlich aus (Larry lacht wieder). Wir waren bei Motorradrennen in Hockenheim, Nürburgring, Nieder-Rodenbach und natürlich Altrip. Manchmal haben wir auch unsere eigenen "wilden Rennen" auf den Straßen im Taunus organisiert. Es war eine schöne und wilde Zeit...


Winni:
Wie oft gab es bei euch einen Clubabend?

Larry:
Regelmäßig einmal pro Woche Chapter-Treffen und einmal im Monat gemeinsames Treffen. Wer nicht kam, musste sich eine gute Ausrede einfallen lassen. Ich fühlte, dass es für den Club sehr wichtig sei, ein vereinigter und ein zusammenhaltender Club zu sein, keine einzelne MC, die machen konnten, was sie wollten. Ich glaube, diese Einstellung hat die Bones so erfolgreich gemacht.


Winni:
Was haben dir die Bones bedeutet?

Larry:
Die Hauptsache der Bones war ja die Freude am Hobby Motorrad fahren. Aber auch, fern der Heimat Land und Leute kennen zu lernen, Parties zu feiern und eine große Biker-Familie zu sein. Vergiss bitte nicht, fast alle von uns waren als junge,  wehrpflichtige Soldaten der US-Armee weit weg von unserer Heimat in Deutschland stationiert  und der Club wurde für uns eine Familie.
Die Kameradschaft, Kumpelhaftigkeit und das 100prozentige Verlassen aufeinander  war und ist etwas ganz Besonderes für mich und ich werde mich immer als Bones Mitglied sehen und würde jeden, der ein Bones-Logo trägt, als Bruder behandeln.

 

 




Daytona Beach 1995:
"Bones-Meeting"
(2 Fotos: Archiv-Coleman)


Winni:
Hast du heute noch Kontakt zu den Bones?

Larry:
Ja und nein. Wie du ja auch weißt, hat sich der Bones MC 1999 mit dem Hells Angels MC vereinigt. Allerdings nicht alle. Ein harter Kern ist bei den Old Bones Mannheim geblieben. Auch mein alter Clubkamerad Fips. Da ich ja hin und wieder Mal in Deutschland bin, versuche ich bei dieser Gelegenheit die Old Bones und Fips in Mannheim zu besuchen. Es ist immer wieder schön meine alten Freunde zu treffen.


AMA Sidecar National Champion Larry Coleman

Anfang 1973 kehrte Larry nach Kalifornien zurück. Damit war sein Clubleben vorerst beendet. Ersatz fand er jedoch in der amerikanischen Seitenwagen-Rennfahrer Szene. Den Rennbazillus hatte er sich ja bereits während seiner Bones-Zeit in Deutschland bei Gespannrennen mit einer BMW-Seitenwagenmaschine im Jupo eingefangen. Gemeinsam mit seinem Beifahrer Wendell Andrews kämpfte Larry fortan auf den US-Speedways um Ruhm und Ehre. Bis zum großen Durchbruch sollte es allerdings noch ein Weilchen dauern. Doch dann ging es aber Schlag auf Schlag: 1976, 1977 und 1979 wurde das Gespann-Team Coleman/Andrews AMA National Champion. Dieser Titel ist die höchste Auszeichnung, die ein Motorradrennfahrer in den USA erreichen kann.



Team Coleman/Andrews dreifache AMA National Champions


Der Rennsport brachte ihn quer durch die Staaten, Kanada und nach Neuseeland. Als erstes US-Seitenwagen-Team konnten sie 1977 in der prestigeträchtigen "Marlboro-Serie" den zweiten Platz belegen. Ein weiterer Höhepunkt in seiner Karriere wurde 1981 vor 120.000 Schlachtenbummlern der Sieg im Rahmenrennen des Formel-1-Laufes in Long Beach/Kalifornien.



Larry Coleman
(Foto: Archiv Coleman)


Aber damit lange nicht genug. Auch als Rekordpilot machte sich der schnelle Dreiradakrobat einen Namen. Mit einem Spezial-Gespann erreichte Larry Coleman 1990 bei der "Bonneville Speed Week" in seiner Klasse die sensationelle Geschwindigkeit von 174 mph (etwa 280 km/h). Dieser Rekord ist bis heute ungebrochen und eines Tages, so hofft er, will er die 200 mph–Marke knacken. 
Sein Hobby hatte er inzwischen zum Beruf gemacht. Als PR- und Marketing-Manager war und ist Larry unter anderem für den US-Schmiermittelgiganten KAL-GARD, den Auspuffhersteller SUPERTRAPP, den Sitzbankspezialisten CORBIN, K&N  und Barnett tätig. In der amerikanischen Motorradszene ist der Name Larry Coleman nicht mehr wegzudenken. Sei es durch sein Engagement für den Gespannrennsport, seine Pressearbeit, Beraterfunktion oder einfach als exzellenter Fachmann, wenn es ums Thema Motorrad geht.


VIP-Biker-Gäste
Superbike-WM-Lauf Laguna Seca/USA 2003


Dr. Hans Stelzl, stellv. Direktor im Deutschen Bundestag, MdB Ernst Bahr,
Larry "fast" Coleman, Dr. Peter Struck, Bundesverteidigungsminister,
Ute Vogt, stellv. Bundesinnenministerin,
Christina Bosch, MdEP Bernd Lange, MdB Albert Dess,
Klaus Zobel, Harley-Davidson Manager
(v.l.n.r)

Keine Frage, Larry hat in seinem Leben viel erlebt, viel bewegt und viel erreicht.
Die gesamte Bikerszene kann stolz auf ihn sein und ich bin es auch.



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